In einem Gerichtsverfahren in Oakland, Kalifornien, hat die ehemalige Technologiechefin von OpenAI, Mira Murati, eine vernichtende Aussage über ihren früheren Chef Sam Altman gemacht. Der Prozess ist Teil einer Milliardenklage von Elon Musk gegen OpenAI. Murati beschrieb Altman als einen Führungsstil, der Chaos verursache und Mitarbeiter gegeneinander ausspiele. Die Enthüllungen werfen ein Schlaglicht auf die interne Kultur des Unternehmens, das mit seiner Künstlichen Intelligenz ChatGPT weltweit bekannt wurde.
Die Vorwürfe von Mira Murati
Mira Murati, die bei OpenAI von 2018 bis 2024 als Chief Technology Officer tätig war, sagte in einer Videoaussage aus, dass Sam Altman nicht immer aufrichtig zu ihr gewesen sei. Sie habe mehrfach beobachtet, wie er Führungskräfte gezielt gegeneinander in Stellung brachte, indem er einer Person eine Information gab und einer anderen Person das genaue Gegenteil sagte. Dieses Verhalten habe zu einer Atmosphäre der Unsicherheit und des Misstrauens geführt. Murati betonte, dass Altman Chaos gestiftet habe – ein Muster, das sich ihrer Ansicht nach auch nach seiner kurzzeitigen Absetzung im November 2023 nicht änderte. Interessanterweise hatte Murati sich damals öffentlich für Altmans Rückkehr ausgesprochen, obwohl sie nun kritisiert, dass sich sein Führungsstil nicht verbessert habe.
Das Führungsdrama im November 2023
Der Hintergrund der Aussage ist das turbulente Ereignis, das die Tech-Welt im November 2023 erschütterte. Damals setzte der Verwaltungsrat von OpenAI Sam Altman überraschend als CEO ab. Mira Murati wurde zur Interim-CEO ernannt. In diesem Chaos schickte Altman laut Gerichtsakten eine Reihe von panischen Textnachrichten an Murati. Er fragte wiederholt, ob die Stimmung im Verwaltungsrat gut oder schlecht für ihn sei, und bat darum, zu den Beratungen zugelassen zu werden. Murati antwortete nicht auf diese Bitten, und Altman blieb außen vor. Dennoch kehrte er nur wenige Tage später zurück, nachdem Hunderte Mitarbeiter mit Kündigung gedroht hatten. Dieser Vorfall zeigte nicht nur die zerrütteten Verhältnisse im Unternehmen, sondern auch die enorme Loyalität der Belegschaft gegenüber Altman.
Mira Murati blickt auf eine beachtliche Karriere zurück. Bevor sie zu OpenAI kam, arbeitete sie unter anderem bei Tesla als Senior Product Manager für das Model X und später bei Leap Motion. Bei OpenAI stieg sie schnell auf und war maßgeblich an der Entwicklung von ChatGPT und dem Bildgenerator DALL-E beteiligt. Ihr Abgang im September 2024 kam überraschend und wurde von vielen als Zeichen für interne Spannungen gewertet. Die jetzige Aussage gibt nun einen direkten Einblick in die Dynamiken, die zu ihrem Ausscheiden geführt haben könnten.
Die Klage von Elon Musk
Der Prozess geht auf eine Klage von Elon Musk zurück, den Mitbegründer von OpenAI. Musk wirft Sam Altman und Co-Gründer Greg Brockman vor, die ursprüngliche gemeinnützige Mission von OpenAI verraten zu haben. OpenAI wurde 2015 als Non-Profit-Organisation gegründet, mit dem Ziel, Künstliche Intelligenz sicher und zum Nutzen der Menschheit zu entwickeln. Musk argumentiert, dass Altman aus persönlicher Bereicherung die Organisation in ein gewinnorientiertes Unternehmen umgewandelt habe. Ein von Musk beauftragter Experte beziffert den geforderten Rückzahlungsbetrag auf 134 Milliarden US-Dollar (etwa 114 Milliarden Euro).
Im Zuge des Verfahrens kamen auch interne Dokumente ans Licht, die das Bild verkomplizieren. So legte Greg Brockman, Präsident von OpenAI, ein Tagebuch vor, aus dem hervorgeht, dass er Milliardär werden wolle. Brockman selbst gab zu, dass sein heutiger Unternehmensanteil rund 30 Milliarden Dollar (26 Milliarden Euro) wert sei. Diese Enthüllungen stärken Musks Argumentation, dass die Führung von OpenAI nicht mehr der gemeinnützigen Mission folge, sondern profitorientiert handele.
Der Fall könnte weitreichende Konsequenzen für die KI-Branche haben. Sollte Musk obsiegen, müsste OpenAI möglicherweise umstrukturiert werden oder hohe Zahlungen leisten. Für Sam Altman persönlich geht es um seinen Ruf und seine Führungsposition. Die Aussage von Mira Murati ist ein schwerer Schlag für ihn, da sie aus dem Inneren des Unternehmens kommt und detaillierte Schilderungen seines Führungsstils liefert.
Reaktionen und Ausblick
OpenAI selbst hat sich bisher nicht offiziell zu den Vorwürfen geäußert. Branchenkenner sehen in Muratis Aussage jedoch einen wichtigen Meilenstein in dem Verfahren. Sam Altman, der auch als Investor und Startup-Gründer bekannt ist, hat sich stets als visionärer und charismatischer Führer präsentiert. Die Aussagen seiner ehemaligen Technologiechefin zeichnen ein anderes Bild. Sie beschreibt einen Chef, der Intrigen fördert und Transparenz vermeidet. Während des Gerichtsverfahrens werden weitere Zeugen aussagen, darunter auch andere ehemalige Führungskräfte und möglicherweise Elon Musk selbst.
Das Verfahren findet vor dem Bezirksgericht in Oakland statt. Die Journalistin, die den Prozess verfolgt, berichtet von einer angespannten Atmosphäre im Gerichtssaal. Die Anwälte von OpenAI streiten die Vorwürfe ab und argumentieren, dass Muratis Aussage von persönlichen Motiven geprägt sei. Ihr Abgang im September 2024 sei nicht aufgrund von Führungsproblemen erfolgt, sondern aus strategischen Gründen. Die Verteidigung versucht zudem, Muratis Glaubwürdigkeit zu untergraben, indem sie auf ihre eigene Karriere und mögliche Verbitterung hinweist.
Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens zeigt dieser Fall, wie hoch die Spannungen in der Welt der Künstlichen Intelligenz sind. OpenAI steht unter enormem Druck, sowohl wirtschaftlich als auch ethisch. Die ursprüngliche Mission, KI demokratisch und sicher zu gestalten, ist in den Hintergrund gerückt. Stattdessen dominieren Machtkämpfe, Milliardenbewertungen und Rechtsstreitigkeiten. Für die Öffentlichkeit ist es beunruhigend zu sehen, dass eines der wichtigsten KI-Unternehmen der Welt offenbar von internen Konflikten zerrissen wird. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Aussage von Mira Murati Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Prozesses hat und ob Sam Altman seine Position als CEO behaupten kann.
Source: Business Insider News