„What‘s the craic?“ – das ist oft das Erste, was man in Irland zu hören bekommt. Es ist keine Frage nach Drogen, sondern die ehrliche Frage: „Was gibt’s Neues?“, „Wie geht’s?“, „Was machen wir Cooles?“ Diese Begrüßung bringt es ziemlich auf den Punkt für ein Land, das vor Lebensfreude, Geselligkeit und atemberaubender Natur nur so strotzt. Eine kurze Reise reichte bereits aus, um dem Zauber der grünen Insel zu verfallen.
Dublin: Junge Energie und traditionelle Gastfreundschaft
Der Trip begann in der Hauptstadt Dublin – jung, lebendig, kreativ und weit weg von angestaubten Klischees. Bei einer Walking Food & Pub Tour ging es direkt hinein in das, was die Stadt ausmacht: ehrliches Essen, gute Drinks und Menschen, die das Leben genießen. Wir zogen durch die Gassen und probierten, was die Dubliner lieben – lokales Craft Beer, natürlich ein cremiges Guinness, auch ein Gläschen Whiskey –, und landeten am Ende sogar bei einer unglaublichen Pub-Pizza. Es war der perfekte Einstieg, um das urbane „Craic“ zu spüren – unkompliziert, authentisch und einfach nur gut.
Dublin selbst ist eine Stadt der Kontraste. Die gepflasterten Straßen des Temple Bar Viertels sind voller Musik und Lachen, während die ruhigen Ufer des River Liffey zu entspannten Spaziergängen einladen. Die Iren haben ein Talent dafür, Fremde sofort willkommen zu heißen. In jedem Pub wird man schnell in Gespräche verwickelt – über das Wetter, die neuesten Nachrichten oder einfach über das Leben. Diese Offenheit ist es, die Irland so besonders macht. Die Geschichte Dublins reicht weit zurück: von Wikingersiedlungen über die georgianische Architektur bis zur modernen Tech-Szene. Ein Besuch im Dublin Castle oder in der St. Patrick’s Cathedral gibt einen Einblick in die bewegte Vergangenheit der Stadt.
Wicklow: Der Garten Irlands in voller Blüte
So spannend Dublin auch ist, das eigentliche Irland beginnt oft erst außerhalb der Hauptstadt. Nur eine kurze Fahrt entfernt liegt die Grafschaft Wicklow, nicht ohne Grund der „Garten Irlands“ genannt. Ende April zeigte sich die Insel von ihrer schönsten Seite: bei strahlendem Sonnenschein und fast sommerlichen Temperaturen – ein echter Glücksfall, denn wie die Iren scherzhaft sagen: „Hier kannst du auch vier Jahreszeiten in zehn Minuten erleben.“
Die Landschaft hier ist so dramatisch und filmreif, dass sie unzähligen Hollywood-Produktionen als Kulisse diente. Ob Mel Gibson in „Braveheart“ durch die Täler ritt, Tom Cruise und Nicole Kidman für „In einem fernen Land“ vor der Kamera standen oder Netflix jüngst mit Lindsay Lohan für „Irish Wish“ hier drehte – diese Gegend ist selbst ein Filmstar. Wicklow überrascht mit einer Natur, die abwechslungsreicher kaum sein könnte: sattgrüne Wiesen, dichte Wälder, urige Felder und auch dramatische Küsten. Die Wicklow Mountains, ein weitläufiges Gebirgsmassiv, bieten unzählige Wander- und Radwege. Der Sally Gap, ein Hochplateau, belohnt mit einem atemberaubenden Blick auf den Lough Tay – besser bekannt als „Guinness Lake“ wegen seiner tiefschwarzen Farbe, die an das berühmte Bier erinnert.
Märchenhafte Gärten und historische Stätten
Die Powerscourt Gardens, die zu den schönsten der Welt zählen, sind ein Ereignis für sich. Man spaziert durch perfekt angelegte italienische und japanische Gärten und fühlt sich wie im Märchen. Ähnlich beeindruckend war Killruddery House and Gardens, ein Anwesen aus dem 17. Jahrhundert, wo man zwischen alten Bäumen und blühenden Blumen die Seele baumeln lassen kann. Diese Gärten sind das Ergebnis jahrhundertelanger Pflege und Leidenschaft. Hier wird die tiefe Verbundenheit der Iren mit der Natur spürbar.
Nur wenige Minuten entfernt liegt das charmante Dorf Enniskerry – klein, gemütlich und fast bilderbuchhaft. Cafés, kleine Läden und ein Dorfplatz, der wirkt, als wäre die Zeit hier ein wenig langsamer unterwegs. Tiefer in Irlands Geschichte führte der Besuch von Glendalough, einer Klostersiedlung aus dem 6. Jahrhundert. Eingebettet zwischen Seen und Bergen, fühlt man sich zwischen den alten Steinmauern und dem ikonischen Rundturm in eine andere Zeit versetzt. Glendalough war einst eines der bedeutendsten Klöster Europas und zog Pilger aus ganz Kontinent an. Die Stille und die mystische Atmosphäre sind noch heute greifbar.
Aktivurlaub in den Wicklow Mountains
Aktiver wurde es bei einer geführten Tour auf einem Mountainbike-Trail durch die Wicklow Mountains. Ohne größere Anstrengung ging es mit dem E-Bike hinauf zum Sally Gap, von wo aus wir einen spektakulären Blick auf den tiefschwarzen Lough Tay hatten. Der See ist ein beliebtes Postkartenmotiv, das sich den Besuchern ins Gedächtnis brennt. Die Wicklow Mountains sind ein Paradies für Outdoor-Enthusiasten. Neben Mountainbiken kann man wandern, klettern oder sogar reiten. Die Landschaft wechselt ständig: von offenen Moorlandschaften zu dichten Wäldern, von glasklaren Seen zu rauen Berggipfeln. Wer die Natur liebt, wird hier unzählige Möglichkeiten finden, sie zu erleben.
Kulinarik und Handwerk: Whiskey, Bier und regionale Produkte
Irland wäre nicht Irland ohne seinen Whiskey. In der Powerscourt Distillery erlebten wir hautnah, wie aus lokalem Getreide und frischem Quellwasser flüssiges Gold entsteht – der Fercullen Whiskey. Die Destillerie liegt idyllisch auf dem Gelände der Powerscourt Estate und verbindet Tradition mit moderner Brennkunst. Einblicke in traditionelles Handwerk gab es auch in der Avoca Mill, wo man den Webern zusehen kann. Avoca ist die älteste noch betriebene Wollmühle Irlands und produziert bis heute hochwertige Textilien. Der angeschlossene Shop und das Café laden zum Verweilen ein.
Kulinarisch hat Irland längst mehr zu bieten als nur deftige Hausmannskost. Das Finale war ein Abendessen im The Strawberry Tree, Irlands erstem zertifizierten Bio-Restaurant. Hier kommt nur auf den Tisch, was zu 100 Prozent natürlich ist – eine Hommage an die Frische der irischen Produkte. Die Speisekarte wechselt saisonal und bietet alles von gegrilltem Lachs bis zu Lamm aus der Region. Dazu gibt es handverlesene Weine und natürlich ein Glas irischen Whiskey. Der Service ist ebenso herzlich wie die Atmosphäre – ein perfekter Abschluss eines Tages voller Entdeckungen.
Das Herz Irlands: Die Menschen und das Craic
Was diese Reise vielleicht am meisten geprägt hat, waren nicht die Orte, sondern die Menschen. Die Iren gelten nicht ohne Grund als unglaublich gastfreundlich. Sie nehmen einen mit offenen Armen, offenen Türen und oft auch mit einem offenen Pint auf. Beim „Craic“ geht es um Neuigkeiten, um Spaß, um das Leben selbst. Um Verbindung. Und genau das spürt man dort überall. Die irische Kultur ist geprägt von Musik, Geschichten und Lachen. In fast jedem Pub wird spontan musiziert – traditionelle Folk-Klänge, die zum Mitsingen und Mittanzen einladen. Die Iren haben ein Talent dafür, den Moment zu genießen und andere daran teilhaben zu lassen.
Ein lustiges Detail am Rande: Für Raucher ist Irland das perfekte Pflaster, um mit dem Laster (langsam) aufzuhören. Bei einem Preis von rund 20 Euro pro Schachtel investiert man das Geld doch lieber in ein weiteres Glas Guinness. Also, falls jemand fragt „What’s the craic?“, könnte die Antwort lauten: „Eine Reise nach Irland. Unbedingt! That was mighty craic.“ Die Kombination aus urbanem Flair, unberührter Natur, reicher Geschichte und herzlicher Gastfreundschaft macht Irland zu einem Ziel, das man immer wieder besuchen möchte. Jedes Dorf, jede Landschaft und jeder Pub hat seine eigene Geschichte – und alle sind es wert, entdeckt zu werden.
Wer nach Irland reist, sollte sich Zeit nehmen. Nicht nur für die bekannten Sehenswürdigkeiten, sondern auch für die kleinen Momente: ein Gespräch mit dem Barkeeper, das Staunen über ein plötzlich aufziehendes Gewitter, das Gefühl der Stille in einem alten Kloster. Diese Momente sind es, die die Reise unvergesslich machen. Und das ist das wahre Craic – die Freude am Leben, geteilt mit anderen.
Source: Tiroler Tageszeitung Online News