Kamala Harris hat Geschichte geschrieben – gleich mehrfach: Sie wurde zur ersten Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten und war als erste schwarze Frau Kandidatin für das höchste Staatsamt. Bei der US-Wahl 2024 unterlag sie jedoch Donald Trump. Doch wer ist die Politikerin der Demokratischen Partei, deren Aufstieg von der Westküste bis ins Weiße Haus führte? Dieser Artikel liefert einen umfassenden Überblick über ihre Herkunft, ihre Familie, ihren Werdegang und ihre politischen Positionen.
Kamala Harris im Kurzprofil
- Name: Kamala Devi Harris
- Geburtsdatum: 20. Oktober 1964
- Geburtsort: Oakland, Kalifornien
- Amt: 49. Vizepräsidentin der USA (seit 2021)
- Partei: Demokraten
- Familienstand: Verheiratet mit Douglas Emhoff (seit 2014), zwei Stiefkinder
- Ausbildung: Howard University (Bachelor), University of California, Hastings College of the Law (Juris Doctor)
- Religion: Baptistin
Herkunft und Kindheit
Kamala Harris wuchs in einer akademisch und kulturell vielfältigen Umgebung im Großraum San Francisco auf. Ihre Mutter, Shyamala Gopalan, stammte aus Indien und war eine renommierte Brustkrebsforscherin – sie promovierte im Alter von nur 25 Jahren. Ihr Vater, Donald Harris, kam als Wirtschaftswissenschaftler aus Jamaika. Die beiden lernten sich an der University of California in Berkeley kennen, wo sie beide an der Bürgerrechtsbewegung teilnahmen.
Die Familie prägte Harris früh. Ihre Mutter nahm sie häufig mit zu wissenschaftlichen Vorträgen und politischen Veranstaltungen. Später betonte Harris oft, dass ihre Mutter die größte Inspiration für ihren eigenen Mut und ihren Einsatz für Gerechtigkeit sei. Die Eltern trennten sich, als Kamala sieben Jahre alt war, und sie und ihre Schwester Maya wuchsen überwiegend bei der Mutter auf.
Die multikulturelle Herkunft – afro-jamaikanisch, indisch und amerikanisch – prägt Harris‘ Identität. Sie besuchte in den 1970er-Jahren vorübergehend eine frankophone Schule in Montreal, Kanada, als ihre Mutter dort forschte. Später kehrte sie für ihr Studium in die USA zurück.
Ausbildung und juristische Karriere
Harris studierte Politikwissenschaften und Wirtschaft an der Howard University in Washington, D.C., einer historisch afroamerikanischen Hochschule. Dort engagierte sie sich in der Studentenvertretung und setzte sich bereits gegen Diskriminierung ein – unter anderem protestierte sie gegen das Apartheidregime in Südafrika. Nach ihrem Bachelor-Abschluss 1986 wechselte sie an die Hastings Law School der University of California, wo sie 1989 ihren Juris Doctor erwarb.
Danach begann sie ihre Laufbahn als Staatsanwältin im Alameda County, das Oakland einschließt. Schnell spezialisierte sie sich auf die Verfolgung von Sexualstraftaten und häuslicher Gewalt. Ihr Fokus auf den Schutz von Frauen und Mädchen prägte ihre gesamte Karriere. 1998 wechselte sie zur Bezirksstaatsanwaltschaft von San Francisco, wo sie später die Abteilung für Kinder- und Familienverbrechen leitete.
Aufstieg in der Politik
Im Jahr 2003 kandidierte Harris erfolgreich für das Amt der Bezirksstaatsanwältin von San Francisco. Sie war die erste schwarze Frau und die erste asiatischstämmige Person in dieser Position. Dort reformierte sie das Justizsystem: Sie führte ein Programm zur Wiedereingliederung von Kleinkriminellen ein, bekämpfte den Schulabsentismus und setzte sich gegen die Todesstrafe ein.
2010 wurde sie zur Generalstaatsanwältin von Kalifornien gewählt – erneut als erste Frau und erste Afroamerikanerin. Sie leitete die zweitgrößte Justizbehörde der USA und gewann landesweit Aufmerksamkeit durch Klagen gegen Banken nach der Finanzkrise und durch ihren Einsatz für Verbraucherschutz. Ihre Arbeit brachte ihr viele Befürworter, aber auch Kritik: Manche warfen vor, dass sie zu zögerlich bei der Reform des Strafvollzugs war.
Mit Unterstützung des damaligen Präsidenten Barack Obama und des späteren Präsidenten Joe Biden kandidierte sie 2016 erfolgreich für den US-Senat. Als Senatorin für Kalifornien brachte sie sich in Debatten zur Gesundheitsversorgung, zur Klimapolitik und zu Bürgerrechten ein. Berühmt wurde ihre konfrontative Befragung von Trumps Justizbeamten während der Anhörungen zur Ernennung von Jeff Sessions und Brett Kavanaugh.
Vizepräsidentschaft und Präsidentschaftskampagne 2024
Joe Biden wählte Kamala Harris 2020 zu seiner Running Mate. Nach dem Wahlsieg wurde sie am 20. Januar 2021 als 49. Vizepräsidentin vereidigt. In dieser Rolle übernahm sie wichtige Aufgaben: Sie bekämpfte die COVID-19-Pandemie, trieb den Breitbandausbau voran und setzte das Infrastrukturgesetz mit um. Gleichzeitig war sie die treibende Kraft hinter dem American Rescue Plan, der wirtschaftliche Hilfen in Milliardenhöhe bereitstellte.
Besonders umstritten war ihre Rolle in der Migrationspolitik. Biden beauftragte sie mit der Bewältigung der Migrationskrise an der Südgrenze – eine Aufgabe, die ihr viele Kritiker einbrachte. Menschenrechtsorganisationen warfen ihr zu harte Töne gegen Migranten vor, während Republikaner ihr mangelnde Durchsetzungskraft unterstellten.
Im Juli 2024, nachdem Biden auf eine zweite Amtszeit verzichtet hatte, kandidierte Harris als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten. Sie startete einen kraftvollen Wahlkampf, sammelte große Spendensummen und konnte in Umfragen zeitweise aufholen. Dennoch unterlag sie am 5. November 2024 dem republikanischen Herausforderer Donald Trump, der eine zweite Amtszeit antrat.
Politische Positionen und Schwerpunkte
Kamala Harris gilt als liberale Demokratin. Ihr politisches Spektrum ist dennoch breit, und sie vertritt pragmatische Ansätze. Ihre wichtigsten Anliegen sind:
- Frauenrechte und Abtreibungsfreiheit: Harris setzt sich entschieden für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch ein, sieht darin grundlegende Gesundheitsversorgung und ein Menschenrecht. Sie hat die Aufhebung von Roe v. Wade scharf kritisiert und kämpft für eine bundesweite gesetzliche Verankerung.
- Klimaschutz: Die Vizepräsidentin unterstützt das Ziel einer klimaneutralen US-Wirtschaft bis 2050. Sie fördert erneuerbare Energien und strengere Umweltauflagen, betont aber auch den wirtschaftlichen Nutzen einer grünen Transformation.
- Soziale Gerechtigkeit: Sie plädiert für niedrigere Gesundheitskosten, eine Reform des Bildungswesens und bezahlbaren Wohnraum. Als Senatorin brachte sie Gesetze zur Senkung der Medikamentenpreise ein.
- Einwanderungsreform: Harris befürwortet einen humaneren Umgang mit Migranten – inklusive einer dauerhaften Lösung für sogenannte Dreamer (Jugendliche, die als Kinder illegal eingereist sind). Gleichzeitig unterstützt sie Maßnahmen zur Grenzsicherung.
Privatleben und öffentliches Auftreten
Kamala Harris lebt mit ihrem Mann Douglas Emhoff, einem Rechtsanwalt, in Washington, D.C. Emhoff, der jüdischen Glaubens ist, brachte zwei Kinder in die Ehe: die heute 25-jährige Stieftochter Ella Emhoff, die als Model und Designerin arbeitet, und den Stiefsohn Cole Emhoff. Harris selbst hat keine leiblichen Kinder, bezeichnet sich jedoch als „Momala“ für ihre Stiefkinder.
Ihre Persönlichkeit wird oft als ambitioniert, diszipliniert und zugänglich beschrieben. Bekannt ist ihr unverwechselbares Lachen, das sogar von politischen Gegnern wie Donald Trump verspottet wurde. Sie liebt Sneakers, sammelt Schallplatten und ist Fan von Beyoncé. Politisches Marketing stilistisch an die Jugendkultur anpassend, auftretend mit legerer Kleidung, zeigt sie sich modebewusst. Ein privater Aspekt: Sie besitzt eine Pistole, was in ihrer Familie Tradition sei.
Ihre Beliebtheit variiert stark innerhalb der amerikanischen Gesellschaft. Befürworter schätzen ihre Gradlinigkeit und ihren Kampf für Minderheiten; Gegner werfen ihr mangelnde Authentizität und übergroße Ambitionen vor. Dennoch bleibt sie eine der bekanntesten und einflussreichsten Politikerinnen der USA und hat die Messlatte für künftige Kandidatinnen hoch gelegt.
Source: Morgenpost News