Die Europäische Union und Mexiko intensivieren ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte am Donnerstag, dass das modernisierte Handelsabkommen zwischen beiden Partnern bestehende Handelsbarrieren abbauen soll. Dies sei besonders wichtig in einer Zeit, in der viele Länder wieder stärker auf Abschottung und Protektionismus setzen. Die Unterzeichnung des überarbeiteten Abkommens ist für Freitag in der mexikanischen Hauptstadt Mexico City geplant. Erwartet werden dabei Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Das Abkommen zielt darauf ab, verbleibende Hürden für Handel und Investitionen zu beseitigen – darunter in wichtigen Bereichen wie Rohstoffe, Landwirtschaft und Dienstleistungen. Kallas betonte zudem, dass die Modernisierung des Abkommens auch die Lieferketten stärken und neue wirtschaftliche Chancen schaffen werde. Das solle beiden Seiten helfen, im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben. „Die EU ist Mexikos drittgrößter Handelspartner. Unser Handelsvolumen ist in den vergangenen zehn Jahren um 75 Prozent gestiegen“, sagte sie bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Mexikos Außenminister Roberto Velasco.
Nach offiziellen Angaben importierte Mexiko im Jahr 2025 Waren im Wert von knapp 67 Milliarden Dollar (57,7 Milliarden Euro) aus Europa. Im Gegenzug exportierte das Land Güter im Wert von rund 28 Milliarden Dollar (24,1 Milliarden Euro) in die EU. Diese Zahlen verdeutlichen das wachsende Handelsvolumen zwischen beiden Wirtschaftsräumen. Das modernisierte Abkommen soll diese Entwicklung weiter vorantreiben und für beide Seiten vorteilhafte Bedingungen schaffen.
Die EU und Mexiko verhandeln seit 2016 über eine Aktualisierung des bestehenden, 2000 in Kraft getretenen Abkommens. Ziel ist es, die Regeln an die heutigen wirtschaftlichen und technologischen Gegebenheiten anzupassen. Dazu gehören etwa digitale Handelsbestimmungen, Schutz geistigen Eigentums, nachhaltige Entwicklung und verbesserter Marktzugang für Dienstleistungen und Investitionen. Mexiko ist als Mitglied der OECD, der G20 und der transpazifischen Partnerschaft CPTPP ein wichtiger Akteur in der globalen Wirtschaft. Das Land hat Freihandelsabkommen mit über 50 Ländern, was es zu einem attraktiven Partner für die EU macht.
Die Verhandlungen fanden vor dem Hintergrund wachsender globaler Spannungen und eines Trends zur Handelsabschottung statt. Insbesondere die Politik der USA unter Präsident Donald Trump, die mit Zöllen und einem Rückzug aus multilateralen Abkommen verbunden war, setzte die internationale Handelsordnung unter Druck. Auch die Covid-19-Pandemie und der russische Angriffskrieg in der Ukraine haben gezeigt, wie anfällig globale Lieferketten für Störungen sind. Die EU und Mexiko wollen mit ihrem modernisierten Abkommen ein Zeichen für offene Märkte und internationale Zusammenarbeit setzen.
Mexiko befindet sich derzeit parallel in Verhandlungen mit den USA und Kanada über Änderungen am nordamerikanischen Freihandelsabkommen USMCA (United States-Mexico-Canada Agreement), das 2020 in Kraft trat. Diese Gespräche sind von Bedeutung, da Mexiko stark in die nordamerikanische Wirtschaft integriert ist. Die EU ihrerseits verfolgt mit Mexiko eine Diversifizierungsstrategie, um Abhängigkeiten zu reduzieren und neue Absatzmöglichkeiten zu erschließen. Das Abkommen mit Mexiko ist Teil einer Reihe von Handelsinitiativen der EU in Lateinamerika, darunter auch das Abkommen mit dem Mercosur, das allerdings noch nicht ratifiziert ist.
Kallas betonte, dass das modernisierte Abkommen auch die Zusammenarbeit in Bereichen wie Klimaschutz, Digitalisierung und soziale Standards vertiefen solle. Es enthalte erstmals verbindliche Kapitel zu nachhaltiger Entwicklung, Arbeitnehmerrechten und Umweltschutz. Damit gehe die EU einen Schritt weiter als in früheren Abkommen. Mexiko seinerseits hat ein Interesse daran, seine Wirtschaft zu modernisieren und ausländische Direktinvestitionen anzuziehen. Die EU ist bereits einer der größten Investoren in Mexiko, mit Beständen in den Bereichen Automobilindustrie, Energie, Finanzdienstleistungen und Telekommunikation.
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und Mexiko haben eine lange Geschichte. Bereits 1997 wurde ein Freihandelsabkommen geschlossen, das den Warenaustausch liberaliserte. Seitdem ist das Handelsvolumen kontinuierlich gestiegen. Heute ist die EU nach den USA und China der drittwichtigste Handelspartner Mexikos. Mexiko ist für die EU der zweitwichtigste Handelspartner in Lateinamerika nach Brasilien. Das modernisierte Abkommen soll diesen Trend fortsetzen und neue Impulse geben.
Die Unterzeichnung am Freitag ist ein symbolischer Akt, der die Bereitschaft beider Seiten unterstreicht, trotz globaler Unsicherheiten an einer liberalen Handelsordnung festzuhalten. Beobachter erwarten, dass das Abkommen nach der Unterzeichnung noch der Ratifizierung durch die nationalen Parlamente der EU-Mitgliedstaaten sowie das Europäische Parlament bedarf. Der gesamte Prozess könnte ein bis zwei Jahre dauern. Dennoch sendet die Einigung ein starkes Signal: In Zeiten des Protektionismus setzen die EU und Mexiko auf Zusammenarbeit und offene Märkte.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum, die seit Oktober 2024 im Amt ist, hat die Stärkung der internationalen Handelsbeziehungen zu einem ihrer außenpolitischen Schwerpunkte erklärt. Sie sieht in dem Abkommen eine Chance, die mexikanische Wirtschaft zu diversifizieren und die Abhängigkeit von den USA zu verringern. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen lobte das Abkommen als „Meilenstein“ und betonte, dass es beiden Seiten konkret nutzen werde – etwa durch den Abbau von Zöllen und die Vereinfachung von Zollverfahren.
Im Detail sieht das Abkommen vor, dass 99 Prozent der Warenströme zwischen der EU und Mexiko zollfrei werden. Zudem werden Dienstleistungssektoren wie Finanzdienstleistungen, Telekommunikation und Transport liberalisiert. Investitionsschutzbestimmungen werden modernisiert und an internationale Standards angepasst. Ein separates Kapitel regelt die Zusammenarbeit bei digitalen Technologien und Datenflüssen – ein Bereich, der im ursprünglichen Abkommen noch nicht enthalten war. Auch KMU sollen von vereinfachten Regeln profitieren, um den Zugang zum jeweils anderen Markt zu erleichtern.
Kritiker des Abkommens warnen indes vor möglichen negativen Auswirkungen auf lokale Märkte und Arbeitsplätze in Mexiko, insbesondere in der Landwirtschaft. EU-weit könnten bestimmte Agrarsektoren unter Druck geraten. Die EU-Kommission hat jedoch betont, dass das Abkommen ausgewogen sei und beide Seiten schütze. Es enthalte Schutzklauseln für sensible Produkte und Mechanismen zur Streitbeilegung. Zudem seien strenge Nachhaltigkeitsstandards integriert, die sicherstellen sollen, dass Handelsliberalisierung nicht auf Kosten von Umwelt und sozialen Rechten geht.
Blickt man auf die geopolitischen Rahmenbedingungen, so ist das Abkommen auch eine Antwort auf den wachsenden Einfluss Chinas in Lateinamerika. Peking hat seine Handels- und Investitionsbeziehungen mit der Region in den letzten Jahren massiv ausgebaut. Die EU will mit Mexiko ein Gegengewicht schaffen und die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen stärken. Mexiko wiederum nutzt seine geografische Lage zwischen Nord- und Südamerika als Brücke für den Handel zwischen beiden Kontinenten und mit Europa.
Vor diesem Hintergrund ist die Modernisierung des EU-Mexiko-Abkommens mehr als nur ein Handelsvertrag. Sie ist Ausdruck einer strategischen Partnerschaft, die auf gemeinsamen Werten wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft beruht. Die Unterzeichnung am Freitag wird daher mit Spannung erwartet – nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in politischer Hinsicht. Sie sendet das Signal, dass multilaterale Zusammenarbeit und offene Märkte auch in Zeiten globaler Verwerfungen möglich und wünschenswert sind.
Abschließend ist festzuhalten, dass das modernisierte Abkommen beiden Seiten konkrete Vorteile bringen wird. Für die EU eröffnet es neue Absatzmöglichkeiten für hochwertige Produkte und Dienstleistungen, für Mexiko den Zugang zu Technologien, Investitionen und einem stabilen Rechtsrahmen. Die nun folgende Ratifikationsphase wird zeigen, ob die politische Unterstützung für den Vertrag in allen Mitgliedstaaten ausreicht. Die Weichen sind jedenfalls gestellt: Am Freitag werden die Spitzenpolitiker in Mexiko-Stadt das Abkommen unterzeichnen und damit den Weg für eine vertiefte wirtschaftliche Integration zwischen Europa und Mexiko ebnen.
Source: Yahoo News News