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Tempelhofer Feld: Konzerte könnten „ganz ausfallen“

May 28, 2026  Twila Rosenbaum  2 views
Tempelhofer Feld: Konzerte könnten „ganz ausfallen“

Die Debatte um die Zukunft des Tempelhofer Feldes in Berlin hat eine neue Wendung genommen: Mit dem Konzept „Zuhause am Tempelhofer Feld“ schlägt eine Arbeitsgruppe vor, 21.400 Wohnungen in Randlagen zu errichten, während 200 Hektar der Freifläche unangetastet bleiben sollen. Dies wirft jedoch grundlegende Fragen zum Lärmschutz auf – denn das Feld ist zugleich eine der wichtigsten Open-Air-Konzertflächen der Stadt. Die Tempelhof Projekt GmbH, die das Gelände verwaltet, äußerte sich besorgt. Eine Sprecherin sagte: „Ich würde nicht ausschließen, dass solche Veranstaltungen im schlimmsten Fall ganz ausfallen.“

Das Tempelhofer Feld, ein ehemaliger Flughafen, hat sich in den letzten Jahren zu einem Hotspot für Großveranstaltungen entwickelt. Im August 2026 soll mit dem Festival „TFELD“ ein neues Musik- und Kulturfestival debütieren – mit vier Bühnen und Platz für bis zu 25.000 Besucher. Für 2027 sind sogar fünf Shows von Harry Styles und vier von Ed Sheeran geplant. Die Tempelhof Projekt GmbH betont: „Was wir anbieten können, vermieten wir. Wir sind da gut ausgelastet.“ Laut Senatsverwaltung sind maximal 18 „störende Veranstaltungen“ pro Jahr auf dem Feld erlaubt.

Doch die geplante Wohnbebauung direkt am Feldrand könnte diese Konzerte gefährden. Bereits heute gibt es Beschwerden über Lärm: Bei den Open-Air-Konzerten der Band Die Ärzte im Jahr 2022 gingen 23 Beschwerden ein. Besonders betroffen sind der Schillerkiez und die Rollbergsiedlung, da das Flughafengebäude den Schall reflektiert. Je nach Windlage sind auch Quartiere bis nach Schöneberg betroffen. Die Tempelhof Projekt GmbH fordert eine Gesamtperspektive: „Wir wollen, dass eine Randbebauung immer im Zusammenspiel mit dem Flughafengebäude gedacht wird. Also dass nicht nur auf das Feld geguckt wird.“

Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt hält sich bedeckt: Ohne konkrete Baupläne – etwa zu Verglasungen oder Schallschutzwänden – seien keine fachlichen Einschätzungen zum Lärmschutz möglich. Erst dann könnten Expertinnen und Experten bewerten, ob und wie Konzerte auf dem Feld noch möglich wären. Diese Zurückhaltung sorgt für Verunsicherung in der Veranstaltungsbranche, die das Tempelhofer Feld als unverzichtbaren Ort für Großevents sieht.

Politische Fronten verhärtet

Das Projekt spaltet die Berliner Politik. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) begrüßt die Randbebauung und sieht darin die Chance auf ein „neues Zuhause für rund 50.000 Menschen“. Er argumentiert, dass Wohnungsnot in Berlin dringend bekämpft werden müsse. Sein SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hingegen lehnt neuen Wohnungsbau am Feldrand ab. Er plädiert dafür, das Feld – im Sinne des geltenden Entwicklungs- und Pflegeplans – für Erholung, Sport und Kultur auszubauen, also auch für Konzerte. Diese Position wird von vielen Anwohnern und Kulturakteuren unterstützt, die das Feld als grüne Lunge und Veranstaltungsort erhalten wollen.

Die Geschichte des Tempelhofer Feldes ist geprägt von Bürgerentscheiden. Im Jahr 2014 stimmten die Berliner in einem Volksentscheid gegen eine Bebauung des Feldes. Der aktuelle Vorschlag sieht nun eine Randbebauung vor, die 200 Hektar Freifläche unberührt lässt – ein Kompromiss, der jedoch die Frage aufwirft, ob die Lärmbelastung für die neuen Wohnungen zumutbar ist. Hinzu kommt: Großkonzerte mit bis zu 70.000 Gästen sind nur auf dem Tempelhofer Feld oder im Olympiastadion möglich, doch das Stadion ist oft wegen Sportveranstaltungen belegt. Ein Wegfall der Konzertfläche wäre ein schwerer Schlag für die Berliner Kulturszene.

Bereits jetzt müssen Veranstalter strengen Auflagen nachkommen. Die Senatsverwaltung erlaubt pro Jahr nur 18 „störende Veranstaltungen“ – darunter fallen Konzerte mit hohem Lärmpegel. Die Zahl der genehmigten Events ist begrenzt, und eine weitere Einschränkung könnte viele geplante Festivals gefährden. Die Tempelhof Projekt GmbH kritisiert zudem, dass die „teilweise besseren“ Ideen aus einem internationalen Wettbewerb zur Gestaltung des Feldrands nun vernachlässigt würden.

Lärmschutz: Technische Lösungen möglich?

Technisch wäre es denkbar, durch Schallschutzwände, spezielle Verglasungen und Ausrichtungen der Wohnbauten die Lärmbelastung zu reduzieren. Allerdings sind solche Maßnahmen kostspielig und müssen frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Die SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus hat bereits gefordert, dass vor jeder Bebauung ein umfassendes Lärmschutzgutachten erstellt werden müsse. Die CDU hingegen setzt auf marktwirtschaftliche Lösungen und sieht die Verantwortung bei den Investoren.

Die Stadtgesellschaft ist in dieser Frage tief gespalten. Während viele junge Familien und Wohnungssuchende die neuen Wohnungen begrüßen, fürchten Anwohner und Kulturschaffende um die Identität des Tempelhofer Feldes. Das Feld ist nicht nur ein Ort der Erholung, sondern auch ein Symbol für Bürgerbeteiligung und gelebte Demokratie. Die Randbebauung könnte dieses Erbe gefährden.

Die Entscheidung über die Zukunft des Tempelhofer Feldes wird voraussichtlich nach der Berlin-Wahl 2026 fallen. Bis dahin müssen die Parteien ihre Positionen klären und einen Kompromiss finden, der sowohl den Wohnungsbau als auch die Kultur- und Veranstaltungsnutzung ermöglicht. Die Tempelhof Projekt GmbH mahnt zur Eile: „Wir brauchen bald Klarheit, damit wir unsere Planungen für Konzerte und Festivals verlässlich fortsetzen können.“

Bis dahin bleibt die Frage offen: Können am Tempelhofer Feld tatsächlich Tausende neue Wohnungen entstehen, ohne dass die Konzerte – und damit ein Stück Berliner Lebensgefühl – zum Verstummen gebracht werden? Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Politik diesen Spagat meistern kann oder ob die Konzerte tatsächlich „ganz ausfallen“.


Source: Morgenpost News


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