Naomi Osaka hat auch bei ihrem zweiten Match bei den French Open für Gesprächsstoff gesorgt. Die viermalige Grand-Slam-Siegerin lief zu ihrer Partie gegen die Kroatin Donna Vekić mit einer cremefarbenen Schleppe auf und unterstrich damit erneut ihren Hang zu besonderen Auftritten auf der großen Sportbühne. Auf dem Court Simonne-Mathieu erntete die 28-Jährige bereits beim Einlauf Applaus von den Rängen, wie in Fernsehbildern zu sehen war.
Schon vor ihrem Erstrundenspiel gegen Laura Siegemund hatte die ehemalige Weltranglistenerste Aufsehen erregt, als sie in einem schwarzen, bodenlangen Kleid den Court Suzanne-Lenglen betrat und dieses zum Matchbeginn ablegte. Während des Spiels trug Osaka ein glitzerndes Outfit, das ebenfalls für Gespräche sorgte. Nun folgte die nächste modische Variation: eine cremefarbene Schleppe, die Osaka wie eine Prinzessin auf den Platz führte. Die Japanerin gewann das Match gegen Vekić mit 7:6, 6:4 und zog damit in die dritte Runde des Grand-Slam-Turniers in Paris ein.
Osakas modischer Auftritt im Fokus
Osakas Hang zu extravaganten Kleidungsstücken ist nicht neu. Bereits bei den Australian Open im Januar setzte die Japanerin modische Akzente und trug unter anderem ein mehrfarbiges Tennisoutfit, das an einen Regenbogen erinnerte. Die French Open sind jedoch bekannt für ihre strenge Kleiderordnung: Traditionell ist Weiß die dominierende Farbe auf den Plätzen von Roland Garros, doch Osaka scheint sich bewusst über diese Konvention hinwegzusetzen. Die cremefarbene Schleppe wich zwar nicht allzu weit von der weißen Norm ab, doch die Inszenierung war auffällig. Osaka selbst sagte nach dem Match: „Die Einläufe bei Grand-Slam-Turnieren sind die einzigen Momente, in denen ich mich vielleicht wie eine Entertainerin fühle.“ Diesen Satz hatte sie bereits nach ihrem Sieg über Siegemund geäußert und damit direkt auf die Kritik der Deutschen reagiert.
Kritik von Laura Siegemund
Laura Siegemund hatte nach ihrem Duell mit Osaka eine vermeintliche Ungleichbehandlung bemängelt. „Sie kommt hier her, um Tennis zu spielen und keine Modenschau zu machen. Wenn andere das machen wollen, dann ist das für mich okay“, sagte die deutsche Nummer eins. Doch sie kritisierte, dass „bei solchen Auftritten auch auf jede Sekunde geschaut werden sollte. Das ist das Einzige, was die Regeln betrifft, was ich nicht okay finde“. Siegemund bezog sich damit auf die Zeit, die Osaka für den Einlauf und das Ablegen des Kleides benötigte, was möglicherweise gegen die Regularien der WTA oder des Turniers verstoßen könnte. Die Diskussion um die Dauer der Einläufe und die Sonderbehandlung von Top-Stars ist nicht neu. Im Tennis gibt es klare Vorschriften, aber sie werden bei prominenten Spielerinnen wie Serena Williams oder Naomi Osaka oft großzügiger ausgelegt. Osaka entgegnete daraufhin: „Sportler sind im Showbusiness.“ Mit dieser Aussage stellte sie klar, dass sie ihren Auftritt als Teil der Unterhaltung sieht, die das Tennis bieten sollte.
Hintergrund: Naomi Osakas Karriere und ihr Verhältnis zu den French Open
Naomi Osaka ist eine der bekanntesten Tennisspielerinnen der Welt. Geboren in Japan, aufgewachsen in den USA, hat sie mit ihren vier Grand-Slam-Titeln (Australian Open 2019 und 2021, US Open 2018 und 2020) Geschichte geschrieben. Sie war die erste asiatische Spielerin, die die Nummer eins der Weltrangliste erreichte. Doch die French Open sind für Osaka kein leichtes Pflaster. Ihre beste Leistung in Paris war der Einzug in die dritte Runde im Jahr 2021. Sandplätze gelten nicht als ihre bevorzugte Unterlage, ihre Stärken liegen eher auf Hartplätzen. Dennoch hat sie in den letzten Jahren an ihrer Sandplatztechnik gearbeitet und zeigte 2024 eine verbesserte Form. Die modischen Auftritte könnten auch ein Mittel sein, um mehr Aufmerksamkeit auf ihre Matches zu lenken und die mediale Präsenz zu erhöhen. Osaka ist bekannt für ihr soziales Engagement, unter anderem setzte sie sich für die psychische Gesundheit von Sportlern ein, nachdem sie 2021 bei den French Open aufgrund von Depressionen und Angstzuständen vom Turnier zurückgetreten war.
Die aktuelle Saison 2025 ist für Osaka eine Phase der Wiederbelebung nach einer längeren Pause während ihrer Schwangerschaft. Sie brachte 2023 ihre Tochter Shai zur Welt und kehrte erst 2024 auf die Tour zurück. Seither kämpft sie darum, wieder an die Spitze zu gelangen. Ihre Auftritte bei den French Open zeigen, dass sie nicht nur sportlich, sondern auch modisch ein Zeichen setzen möchte. Die Schleppe war dabei nur ein Teil einer Inszenierung, die an die großen Diven des Tennissports erinnert – etwa an Serena Williams, die ebenfalls oft durch extravagante Outfits auffiel.
Die Reaktionen auf Osakas Outfit
Die Reaktionen in den sozialen Medien und in der Tenniswelt waren gemischt. Einige Fans lobten Osakas Mut, die strenge Kleiderordnung aufzubrechen und das Tennis als Unterhaltungsplattform zu nutzen. Andere kritisierten, dass die Show den Sport in den Hintergrund dränge. Der französische Tennisverband (FFT) äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall, doch es wird spekuliert, ob die Regeln für Einläufe verschärft werden könnten. Die WTA hat bisher keine offizielle Stellungnahme abgegeben. Historisch gesehen gab es immer wieder Diskussionen um Kleidungsstücke auf dem Tennisplatz: Von Anne Whites BH-Trägern über Serena Williams' Catsuit bis hin zu Maria Scharapowas Kleidern. Osaka scheint in diese Tradition einzusteigen und nutzt ihre Plattform, um Aufmerksamkeit zu generieren.
Die Tatsache, dass Osaka nach dem Spiel gegen Vekić in die dritte Runde einzog, unterstreicht, dass sie nicht nur modisch, sondern auch sportlich überzeugen kann. Ihr Aufschlag war stark, ihre Grundschläge präzise. In der dritten Runde könnte sie auf eine gesetzte Spielerin treffen, was eine echte Standortbestimmung wäre. Für Osaka geht es nicht nur um Fashion-Statements, sondern darum, bei den French Open so weit zu kommen wie nie zuvor.
Auswirkungen auf die Tenniswelt
Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie viel Show verträgt der Tennissport? Sollten Einläufe und Outfits von Stars reglementiert werden oder zur Unterhaltung beitragen? Naomi Osaka hat sich in der Vergangenheit immer wieder gegen Restriktionen gewehrt. Sie ist eine der wenigen Spielerinnen, die sich trauen, die Grenzen auszuloten. Andere Spielerinnen wie Coco Gauff oder Iga Świątek halten sich eher an die traditionelle weiße Bekleidung. Osakas Ansatz könnte jedoch einen Trend setzen: Im Zeitalter von Social Media und Entertainment sind Sportler zunehmend auch Entertainer. Die French Open als zweites Grand-Slam-Turnier des Jahres stehen für Eleganz und Tradition, aber auch für Innovation und Modernität – zum Beispiel durch das Roland Garros Stadium mit seinem retractable Roof. Vielleicht ist es genau diese Mischung, die das Turnier für jüngere Zuschauer attraktiv macht.
Die Diskussion um Osakas cremefarbene Schleppe wird sicherlich noch einige Tage anhalten. Sie hat einmal mehr bewiesen, dass sie nicht nur eine außergewöhnliche Tennisspielerin, sondern auch eine Stilikone ist. Was bleibt, ist die Frage, ob die French Open in Zukunft strengere Regeln für Einläufe erlassen oder ob sie Osakas Art der Inszenierung als Teil des Spektakels akzeptieren. Eines ist sicher: Naomi Osaka wird weiterhin für Gesprächsstoff sorgen – sowohl auf als auch neben dem Platz.
Source: Spiegel News