Schauspielerin Adele Neuhauser (67) war am Freitagabend zu Gast in der WDR-Talkshow „Kölner Treff“. Anlass war ihr neuer ZDF-Zweiteiler „Mama ist die Best(i)e“, der am Montagabend um 20:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird und bereits in der Mediathek abrufbar ist. In dem Film spielt sie eine schräge Society-Lady, die nach zehn Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird und Rache an ihrer Familie sucht. „Ich bin eine Sau, aber keine arme“, sagt sie über ihre Rolle – und betont, wie sehr sie das Ensemble genossen habe.
Doch der Film wäre beinahe nie gedreht worden, denn Neuhauser hatte schweren gesundheitlichen Gegenwind. Während der Dreharbeiten zu ihrem vorherigen Film „Ungeschminkt“ stürzte sie mit dem Fahrrad auf einem Schotterweg und zog sich einen Schulterbruch zu. „Ich habe dann sofort gedacht, dass ich die Rolle abgeben muss“, erinnert sie sich im Gespräch mit Moderatorin Bettina Böttinger. Doch das Team der ZDF-Produktion zeigte sich außergewöhnlich solidarisch: Sie warteten, bis sie wieder voll einsatzfähig war, und verschoben den Drehstart um mehrere Wochen. „Das war eine wirklich sehr erfrischende, belebende Arbeit“, so die gebürtige Österreicherin. „Ich schaue es mit Genuss, weil ich eben nicht alleine bin da. Und es macht wirklich große Freude.“
Von der Ballettträumerin zur Tatort-Ermittlerin
Im „Kölner Treff“ blickte Adele Neuhauser auch auf ihre bewegte Karriere zurück. Eigentlich hatte sie als Kind eine Karriere als Balletttänzerin angestrebt, doch eine Achillessehnenverletzung machte diesen Traum zunichte. „Hat auch nicht geklappt“, lacht sie. „Ich habe einen Einriss gehabt.“ Durch die Verletzung fand sie dann schließlich zur Schauspielerei – eine Wendung, für die sie heute dankbar ist.
Ihr Vater, ein wohlhabender Geschäftsmann, hatte für sie eigentlich eine andere Zukunft vorgesehen. „Mein Vater hat irgendwie immer die Begabung gehabt, das Schönste für mich zu bereiten“, erzählt Neuhauser. Sie schildert eine Anekdote von einem Rückflug aus Griechenland, wo sie aufgewachsen ist: Ihr Vater ließ das Flugzeug in Rom zwischenlanden, nur um ihr einen spontanen Zwischenstopp in der Ewigen Stadt zu ermöglichen. Trotz solcher liebevoller Momente sei ihre Kindheit nicht unbelastet gewesen.
Die dunkle Seite der Jugend: Depression und sechs Suizidversuche
Ein Thema, das Adele Neuhauser im Gespräch besonders bewegte, waren ihre schweren Jugendjahre. Nach der Trennung ihrer Eltern habe sie sich schwere Vorwürfe gemacht. „Ich habe da eine ziemliche Depression ausgefasst damals“, sagt sie offen. „Ich war von Anfang an ein sehr theatralisches Wesen und habe alles etwas überzeichnet, und so auch meine Depression, die dann in sechs Suizid-Versuche mündete. Wobei nicht alle ernst gemeint waren.“ Sie betont, dass sie damals niemanden um Hilfe gebeten habe, weil ihr der Mut dazu gefehlt habe. „Und das muss ich wirklich auch allen sagen: Seid mutig und holt euch Hilfe. Der Mut, Hand an sich zu legen, ist furchtbar.“ Diese eindringliche Botschaft wiederholte sie mehrfach, offenbar mit dem Wunsch, andere vor ähnlichem Leid zu bewahren.
Heute, mit 67 Jahren, blickt sie versöhnlich auf ihr Leben. Sie ist eine glückliche Großmutter und genießt die Zeit mit ihrer Familie. „Ich liebe meinen Sohn, ich liebe meine Enkelkinder, ich liebe auch meine Schwiegertochter sehr“, strahlt sie. „Ich bin sehr, sehr glücklich mit dieser wunderbaren Familie.“ Sie habe sich den Spitznamen „Omama“ gewünscht, da es mehrere Großmütter in der Familie gibt. Ihre Enkelkinder haben diesen Wunsch akzeptiert.
Abschied vom Wiener „Tatort“ – ein selbstbestimmter Schritt
Ein weiteres Kapitel in Neuhausers Leben neigt sich dem Ende zu: Nach 15 Jahren als Ermittlerin im Wiener „Tatort“ wird in diesem Jahr ihre letzte Folge ausgestrahlt. Der Entschluss, auszusteigen, sei bei ihr selbst gereift. „Das war ein selbstbestimmter Entschluss, und nach 15 Jahren kann man, wenn's am schönsten ist, auch gehen“, erklärt sie im Interview. In der Rolle der knorrigen Kommissarin Bibi Fellner – an der Seite von Harald Krassnitzer – wurde sie einem Millionenpublikum bekannt. Viele Jahre lang habe sie oft die strenge, harte Frau spielen müssen, doch nun sei der Zeitpunkt gekommen, sich neuen Herausforderungen zu widmen.
Neuhauser, die in Griechenland aufwuchs, fühlt sich der deutschsprachigen Schauspielszene eng verbunden. Nach ihrem Bühnenstudium in Wien und ersten Engagements am Theater arbeitete sie sich hoch zu Film- und Fernsehproduktionen. Ihr komödiantisches Talent zeigte sie unter anderem in Serien wie „Der letzte Zeuge“ oder „Die Rosenheim-Cops“. Der Wechsel ins dramatische Fach fiel ihr nie schwer – sie liebt das Spiel mit den Extremen.
„Mama ist die Best(i)e“ – eine schillernde Rachegeschichte
Doch zurück zum aktuellen Projekt: In „Mama ist die Best(i)e“ spielt Adele Neuhauser eine Frau, die nach einem Jahrzehnt im Gefängnis zurückkehrt und vorgibt, den wahren Mörder ihres Mannes zu suchen. Doch ihre Familie – dargestellt von prominenten Kollegen wie Ulrike C. Tscharre, Michael Rotschopf und Shenja Lacher – hat unter ihrer Abwesenheit gelitten. „Sie war unschuldig, sie ist unschuldig und sucht den wahren Mörder. Aber wie man an ihrer Familie sehen kann, hat sie doch einiges an ihr verbrochen“, beschreibt Neuhauser ihre Rolle. Die Figur sei „eine verrückte, etwas überkandidelte, unsympathische, shoppingsüchtige Society-Nudel“. Der Kontrast zu ihrem eigenen Wesen – sie bezeichnet sich selbst als keine „Bussi-Bussi-Frau“ – mache den Reiz der Rolle aus.
Der Film, der von Regisseurin Esther Gronenborn inszeniert wurde, ist eine Mischung aus schwarzer Komödie und Familiendrama. Neuhauser lobt das hochkarätige Ensemble und die angenehme Arbeitsatmosphäre. „Warum soll ich nicht mal eine böse Frau spielen? Das ist eine Befreiung“, scherzt sie. Der Zweiteiler wird am Montag, den 21. April 2025, um 20:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt und kann vorab in der ZDF-Mediathek gestreamt werden. Fans dürfen sich auf eine temporeiche, skurrile Geschichte freuen, die von Rache, Vergebung und den Abgründen einer scheinbar perfekten Familie erzählt.
Ein Appell, der nachhallt
Das Interview im „Kölner Treff“ endete mit einer nachdenklichen Note. Adele Neuhausers Aufruf, bei psychischen Problemen nicht zu schweigen, sondern sich Hilfe zu suchen, hallt noch lange nach. „Der Mut, Hand an sich zu legen, ist furchtbar“, wiederholte sie eindringlich. Wer an Depressionen leide, dürfe sich nicht schämen, offen darüber zu sprechen. Die Schauspielerin selbst habe diesen Weg gefunden – durch Therapie, Familie und die Liebe zu ihrem Beruf. Heute sei sie dankbar für jedes neue Projekt, jeden neuen Charakter, den sie verkörpern darf. „Ich habe mich wirklich sehr gefreut, weil wann hat man schon die Gelegenheit, in so einer Zeitspanne eine Persönlichkeit darzustellen?“, fragt sie mit leuchtenden Augen. Ihre Fans dürfen gespannt sein, welche Facetten sie in Zukunft noch zeigen wird – auf der Leinwand und vielleicht auch irgendwann wieder auf der Bühne.
Denn eines ist klar: Adele Neuhauser hat noch viel vor. Auch wenn sie sich vom „Tatort“ verabschiedet, bleibt sie der Schauspielerei treu. Derzeit ruhen weitere Projekte, doch die 67-Jährige wirkt energiegeladen und voller Tatendrang. „Ich bin eine anständige Mutter gewesen“, resümiert sie. „Ich war sehr viel weg. Mein Beruf hat es bedingt, dass ich das Haus verlassen musste und auch weggehen musste, um zu spielen.“ Mit ihrem neuen Film beweist sie einmal mehr, dass sie zu den wandelbarsten und mutigsten Schauspielerinnen des deutschsprachigen Raums gehört.
Source: Kölner Stadt-Anzeiger News